Gesehen LVZ 18.07.2010

Sonderfahrt ins Jahr 1897 Straßenbahnmuseum saniert zweitältesten Leipziger Triebwagen

Straßenbahnfahrer Frank Skurt und Schaffner Manfred Zacharias präsentieren stolz den restaurierten Triebwagen 349. Foto: Andreas Döring

Von Jan Iven. Zu seinem 3. Öffnungstag an diesem Sonntag präsentiert der historische Straßenbahnhof Leipzig-Möckern erstmalig den restaurierten zweitältesten Triebwagen der Stadt.

Zehn Pfennige kostete eine Fahrt mit dem in Breslau gefertigten Triebwagen 349 bei seiner Indienststellung im Jahre 1897. "Das war damals sehr viel Geld, nur feine Leute konnten sich das leisten", erzählt Bahnfahrer Frank Skurt, der sich zur Vorstellung der sanierten und auf Hochglanz polierten Straßenbahn eine historische Uniform angezogen hat.

Über 10000 ehrenamtliche Arbeitsstunden stecken in dem neuen, alten Triebwagen. "Seit ihrer Ausrangierung Mitte der 1920er-Jahre diente die Bahn als Gartenlaube in Markkleeberg-West", weiß Gerhardt Wirthgen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft historische Verkehrsmittel. "Als wir sie 1987 dort abholten, war sie fast völlig zerstört."

Und so wurde sie vollständig auseinandergenommen, um festzustellen, was noch zu retten war und was komplett erneuert werden mussten. "Das Dach war noch relativ gut erhalten, aber für den 30-Kilowatt-Antrieb mussten wir einen Ersatz finden." Nach alten Konstruktionsplänen wurde die Straßenbahn schließlich wieder zusammengesetzt. Schritt für Schritt sanierten die Mitglieder den Triebwagen über 23 Jahre hinweg. Sogar Wirthgens Ehefrau Helga half mit und nähte nach alten Vorlagen die Vorhänge für die Fenster.

"Das besondere an der 349 ist, dass sie genau wie vor über 100 Jahren fährt." Auf sämtliche technische Neuerungen wie Blinker wurde verzichtet. "Dafür haben wir extra eine Ausnahmegenehmigung von der technischen Aufsichtsbehörde des Freistaates Sachsen bekommen."

Heute blitzen die Scheiben, Kurbeln und Holzbänke der alten Straßenbahn wieder wie bei ihrer ersten Fahrt vor über 100 Jahren. Offiziell bietet sie 20 Sitzplätze, dazu kommen elf Stehplätze. Mit 25 Kilometern in der Stunde rumpelt sie relativ langsam über Leipzigs Schienennetz. Nach dem Vorgängermodell 308, die bereits ein Jahr früher durch die Stadt fuhr, ist der Triebwagen 349 die zweitälteste Leipziger Straßenbahn. Im normalen Linienverkehr kommt die historische Straßenbahn nicht mehr zum Einsatz. "Wir schonen die alten Bahnen, damit sie länger halten", so Wirthgens. Allerdings können die historischen Straßenbahnen für Sonderfahrten gebucht werden. Freunde alter Straßenbahnen können mit dem Triebwagen 349 beim 3. Öftnungstag des Straßenbahnmuseums am Sonntag zwischen Lpz. Möckern und Schkeuditz mitfahren.

Geöffnet: Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Georg- Schumann-Straße 244,
Internet:
www.strassenbahnmuseum.de